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Vom Glück, nicht mehr 30 zu sein

„Ich muss mir jetzt wirklich eine Lesebrille kaufen“, lasse ich meinen Mann wissen. Ich sitze am Frühstückstisch und habe Schwierigkeiten, die Zeitung zu lesen. Dabei hätte ich gut Zeit, ein bisschen länger sitzen zu bleiben. Seit den letzten zwei hat sich unser Familienleben verändert. Zwei unserer fünf Kinder verließen das Haus Richtung Studienplatz. Der “Rest” ist ganz schön selbstständig. Mein Arbeitspensum für Familie und Haushalt hat sich deutlich reduziert.

Ich nutze die unfreiwillige Lesepause und die Ruhe und überlege, ob ich allen Ernstes lieber noch mal jünger sein würde! Zwischen 25 und 35 erlebte ich die anstrengendste Zeit meines bisherigen Lebens. Heute versichere ich jeder jungen Mutter mit mehreren kleinen Kindern, dass es nie mehr im Leben so aufreibend sein wird wie gerade jetzt.

Möchte ich noch einmal 40 sein? Mit Anfang 40 kehrte ich nach fast zwanzigjähriger Familienpause ins Berufsleben zurück, musste viel lernen und mich in eine neue Firma einarbeiten. Ich erlebte die Doppelbelastung eines Mehrpersonenhaushalts und des Berufs und kam mehr als einmal an meine Grenzen.

Würde ich mit meinem Wissen von heute manche Dinge anders machen? Ja! Kann ich die Zeit zurückdrehen und unkluge Entscheidungen ändern? Nein! Jedes einzelne Jahr samt seinen Erfolgen und Fehlern habe ich an meiner persönlichen Lebensgeschichte geschrieben.

Inzwischen bin ich 50 und spüre ziemlich heftig, dass sich wieder einmal ein neues Zeitfenster auftut. Kennen Sie das? Es fühlt sich an wie eine Zeitkapsel, die sich entweder sanft öffnet, vielleicht aber auch explodiert.

Die eine neue Phase von Interessen, Fähigkeiten und Möglichkeiten mit sich bringt.

„Zähl Deine Segnungen!“
Ich hole mir Stift und Papier, schreibe Mein neues Leben in die Mitte und zähle die positiven Veränderungen, die dieser neu beginnende Lebensabschnitt mit sich bringt:

  1. Ich habe mehr Zeit, Gott sei Dank). Endlich Freiräume, um Beziehungen und Freundschaften zu pflegen. Zeit zum Gebet, ob verbunden mit meiner Nordic Walking Tour am Morgen, die ich locker auf mein Arbeitspensum abstimmen kann oder im leeren, sauberen Wohnzimmer. Kein Staubsaugermarathon und keine Aufräumaktion ist nötig, um zur Ruhe zu kommen. Zeit, den Körper zu pflegen, durch Bewegung, durch gesunde Küche, durch Kosmetik und Ruhe. Ich habe Zeit, meinen Hobbys nachzugehen. Am Samstag habe ich über dem Bearbeiten meiner Website das Kochen vergessen  und es gab keinen Aufstand seitens hungriger Angehöriger.
  1. Ich habe mehr Selbstvertrauen. Nie war ich mir meiner Stärken so bewusst wie heute. Meine Selbstzweifel, mein mangelndes Selbstbewusstsein ist gewichen und ich bin dankbar für die Begabungen, die Gott in mich hineingelegt hat. Warum sollte ich mich mit anderen vergleichen? Gott hat mir ein abwechslungsreiches Leben zugedacht und ich traue mir mehr zu als früher.

    Ich finde mich sogar schöner als mit 25 – und das sehen meine Kinder auch so: Na ja, die Dauerwelle von damals und die riesige rote Brille waren nun wirklich eine Lachnummer.
  1. Ich habe mehr Geld. Vorbei die Jahre, wo Schmalhans Küchenmeister und Extras in  unserem Budget einfach nicht drin waren. Nie hätte ich gedacht, dass meine Berufstätigkeit eine solch große emotionale Erleichterung für mich bedeuten würde. Fast zwanzig Jahre hatte ich in die Erziehung unserer Kinder und in karikative Tätigkeiten in der Gemeinde investiert. Heute genieße ich das gute Gefühl, selbst verdientes Geld auf dem Konto zu haben. Dadurch haben wir als Familie mehr Entscheidungsfreiräume und können auch andere Menschen finanziell unterstützen.
  1. Ich traue Gott mehr zu. Wie oft habe ich erlebt, dass Gott seine schützende Hand über mich gehalten hat. Sogar da, wo ich falsche Entscheidungen getroffen habe, wo ich ganz offensichtlich im Unrecht war: Gott zog seinen Schutz nicht zurück. Ich durfte neu ansetzen und bekam eine zweite Chance.

    Viele alte Menschen bereuen am Ende ihres Lebens, nicht mehr Risiken eingegangen zu sein. Ich lerne aus ihrem Bedauern und nehme mir vor, mutig zu sein und mit Gottes Hilfe einige meiner noch ausstehenden Träume zu verwirklichen. Was kann mir passieren?

Meine Skizze mit der Aufzählung meiner „Segnungen“ wird immer umfangreicher und beim Nachdenken fallen mir viele weitere Gründe ein, gespannt und positiv in die Zukunft zu schauen.

Vorstellungen bestimmen unser Verhalten

Statt in den nächsten zehn Jahren mit Hitzewallungen, Migräne, Schlafstörungen und Depressionen zu rechnen, gehe ich davon aus, dass der vor mir liegende Lebensabschnitt ungeahnte neue Möglichkeiten mit sich bringt.

Jede Idee, die Gott in mich hineinlegt, damit ich sie „ausbrüte“ kommt mir vor wie eine weitere Schwangerschaft. Die Erstellung meiner Internetseite für Frauenarbeit erlebte ich wie eine sechste Schwangerschaft – mit einem Happy End. Sie bescherte mir unzählige wertvolle Freundschaften und Kontakte in aller Welt. Als die Webseite zum ersten Mal im World Wilde Web online zu sehen war, verschickte ich sogar Geburtsanzeigen. Mit Schmunzeln nahm ich später einige Glückwünsche von Menschen entgegen, die dachten, wir hätten ein weiteres Kind bekommen.

Durch mein Faible für Frauenarbeit und meine Arbeit im Internet wurde Heike auf mich aufmerksam. Heike Malisic ist ebenfalls Pastorenfrau,  fünf Kinder, arbeitet als selbstständige Ernährungsberaterin wie auch ich und ist seit Jahren in der gemeindlichen Frauenarbeit engagiert. Zusammen brüteten wir über einem Konzept, um Frauen mit Gewichtsproblemen helfen zu können. Heraus kam unser gemeinsames Buch „Lebe leichter“ – mein siebtes „Kind“.

Nachdem die Zeit meiner physischen Fruchtbarkeit zu Ende geht, darf ich meine Kreativität, meine Begabungen und meine Lebenserfahrung in die Aufgaben stecken, die Gott mir in mein leer gewordenes „Nest“ legt.

Welche Eier hat er Ihnen zum Brüten anvertraut? Gibt es Lebensträume, die sich bis jetzt nicht erfüllt haben? Vielleicht wollten Sie schon immer mal ein eigenes Geschäft haben, einen anderen Beruf ausüben, eine Reise nach Israel machen, eine neue Sprache erlernen. Hier überlasse ich Sie Ihrer Phantasie. Es gibt unzählige Träume, die seit Jahren in uns schlummern – und meistens liegt in ihnen ein Wink Gottes auf unsere Berufung verborgen.

Nehmen Sie sich Zeit. Erforschen Sie Ihre veränderten  Möglichkeiten. Denken Sie über die Pläne Gottes für die vor Ihnen liegende Lebensphase nach. Wo etwas aufhört, ist gleichzeitig auch Platz für etwas Neues. Vielleicht ist es gerade jetzt an der Zeit, sich Gott  neu zur Verfügung zu stellen?

Doch noch Model werden

„Die Zeit der Supermodels ist vorbei“, erklärte Claudia Schiffer in einem Lifestyle-Magazin. „ Die Konkurrenz ist einfach zu groß“. Was heute dringender benötigt wird als Stil-Ikonen und Modeschönheiten sind Frauen, die mit ihrem Glauben, ihrer Lebenserfahrung und ihrem guten Beispiel anderen Frauen Mut machen.

Wie ist es mit Ihnen? Sie können heute noch Model werden! Die Konkurrenz müssen Sie nicht zu fürchten, denn unsere Gesellschaft braucht Vorbilder so dringend wie nie zuvor. Nennen Sie es „Mutter in Christus“, Einfuß, Vorbild, Model, wie auch immer,  aber trauen Sie sich, andere durch ihr Leben und ihr gutes Beispiel zu inspirieren und zu prägen.

Passen Sie gut auf sich auf

 â€žIch fühl mich jetzt manchmal wie durch die Mangel gedreht - geistig, körperlich, seelisch. Abends  bin ich oft so geplättet, dass ich kaum noch laufen kann“. Am späten Nachmittag sitzt mir Birgit (49) gegenüber. Sie versteht die Signale nicht, die ihr Körper sendet. Auch ich bemerke Veränderungen bei mir und das Gespräch mit Birgit tut mir gut.

Wie eng ist doch bei uns Frauen das körperliche und seelische Wohlbefinden miteinander verknüpft. Zusammen beschließen wir, uns auf die vor uns liegende Zeit zu freuen und die Gelegenheit zu ergreifen, uns wieder einmal zu verändern. „Zu verbessern“, wie Birgit mit großem Lächeln bemerkt:

- Wir wollen unser Beziehungsnetz neu stärken, denn der Austausch und das Mitfühlen der Anderen tun uns spürbar gut. Vielleicht wird ein regelmäßiges Treffen daraus, wer weiß? Mir fallen sofort ein paar Frauen ein, die sicher auch Interesse daran hätten.

- Während Birgit schon immer sportlich war, muss ich mich für Bewegung „entscheiden“. Da wir im Herbst zusammen einen Nordic Walking Kurs absolviert haben, werden wir uns nun auch zum Walken verabreden. „Wie nett“, denke ich insgeheim, denn mit Begleitung fällt es mir gleich viel leichter. Bewegung macht nicht nur gute Laune, stärkt die Muskeln und erhöht den Kalorienverbrauch, sie regt auch den Knochenaufbau an, was gerade in „unserem Alter“ vor Osteoporose schützt.

- Birgit hat die vier Kilos vom vergangenen Sommerurlaub noch immer nicht weg bekommen. Und auch ich merke, dass ich erheblich mehr Disziplin brauche, um mein „normales“ Gewicht zu halten. Zwei Kilo Plus habe ich jetzt einfach mal akzeptiert. Lieber entspannt die biologischen Begebenheiten hinnehmen, statt verbissen an einer Kilozahl von „damals“ zu kleben. Den Stress ist es nicht wert. Außerdem hat die Wissenschaft festgestellt, dass unter- und idealgewichtige Frauen mehr unter Wechseljahresbeschwerden leiden als Frauen mit vier bis acht Kilo über dem Gewicht vor dem Klimakterium.

Natürlich möchten wir uns weiterhin gesund ernähren. Reichlich Obst, Gemüse, Kartoffeln, einfach die gesunden Sattmacher. Kuchen und Süßigkeiten sind und bleiben etwas Besonderes. Schließlich ist auch nicht jeden Tag Sonntag. Viel Trinken, auch ohne Durstgefühl, wenig Alkohol…So viele gute Gewohnheiten sind uns beiden seit Jahren in Fleisch und Blut übergangen.

Aber: Wer nicht genießt, wird ungenießbar! Verbissenheit und schlechtes Gewissen ade!  Entspanntheit, sei willkommen als neuer Lebensabschnittspartner J

Doch, ich bin froh, nicht mehr 30 zu sein. Mit Lesebrille und zwei Kilo über dem Idealgewicht möchte ich die Eier ausbrüten, die Gott mir in mein Nest legt. Und ich möchte versuchen, auf ganz neuartige Weise ein „Model“ zu sein – für die Frauen, die die entscheidenden Jahre noch vor sich haben.  

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